Ivan der Schreckliche

Ivan der Schreckliche

Natürlich sind wir viel zu alt und zu schwach für eine richtige Gebirgsenduro-Etappe. Aber probieren wollten wir das eigentlich längst einmal. Wenn immer wir in Richtung Dalmatien unterwegs waren, gab es links und rechts der Adria-Autobahn solch wunderschöne, kleine Passsträßchen zu sehen.
Im Herbst des Jahres 2017 war es so weit und wir wollten die Erkundung des Sveti Ivan als später auch des Mali Alan endlich erfahren und erleben.

Wie so oft und immer wieder gerne, waren wir in Zentraldalmatien in Urlaub. Dabei, natürlich wie immer, unsere kleinen Enduros. Zwei Honda CRF 250 L, eine AJP PR4 und eine Yamaha WR 450. Also alles für die Straße tauglich und im leichten Gelände jederzeit gut genug.

Unsere Planung sah vor, daß wir am ersten Tag der Excursion über Land bis an die Ausläufer des Velebit fahren, dort übernachten und dann einen Tag die beiden Pässe erkunden. Nach einer weiteren Nacht sollte es dann über Schotterstraßen wieder in Richtung Südosten zurück zu unserem Urlaubsdomizil gehen. Soweit der Plan.

Wir starteten nach einem gemütlichen Frühstück in leichter Endurokleidung über Wege, Straßen und Mountainbikestrecken in Richtung Nordwest. Bis hier ging alles genau nach Plan. Tolle Wege, super schöne Landschaft und später in Benkovac  ein geniales Mittagessen. Der September zeigte sich in bester Laune und die Sonne strahlte ohne jedoch sommerlich herabzubrennen. Die Umrundung eines Süsswassersees mit weichen Sandpassagen als auch Abschnitte mit kindskopfgroßen Steinen sorgten für stundenlange Abwechslung dieser Tour. Anstrengend aber jederzeit gut zu bezwingen zeigte sich die Anfahrt zum Tagesziel bei Maslenica. Glücklich und Müde bezogen wir unsere Hotelzimmer und nach einem Spaziergang wurde die verbrauchte Energie wieder nachgefüllt. Das kleine Hotel kocht nur für seine Hausgäste und entsprechend individuell und lecker die Versorgung am Abend.

Die Tour über den "Sv. Ivan" zeigte sich dann jedoch weitaus schwieriger, wie geplant und erwartet:
Stürzte doch Claudia auf einem Steilstück in einer tiefen Rinne und zog sich diverse blaue Flecke und Prellungen zu. Damit war der Rest des Aufstiegs zum Pass schon schwierig genug, die Abfahrt jedoch war dann eine echte Herausforderung, da großer, grober Schotter in Verbindung mit Steilabfahrt einiges an Mut und Überwindung kostete und wir somit nur extrem langsam voran kamen.

Als dann auch noch die Batterie der PR4 schlapp machte, saugten diverse Anschiebemanöver die restliche Energie aus den alten Körpern. Nach gut 8 Stunden ging es durch eine heftig verschüttete Autobahnunterführung zurück in die Zivilisation mit dem heiligen Eid, diese Strecke niemals wieder unter die Räder zu nehmen. Vielleicht!


Erste Stärkung in der Bucht von Zaton.


Ein Mountainbikeweg führt um den Süsswassersee Vransko Jezero. Aber erst ein einsamer Mountainbiker hat und an dieser Stelle erklärt, dass eben dieser Weg ein ausgewiesener Radweg sei. Respekt, wer auf dieser Trasse den See mit Muskelkraft umrundet! 


Deutlich sieht man, daß wohl auch schon andere Verkehrsteilnehmer diese Abkürzung über die Bahnschiene genommen hatten. Ein paar Steine, davon gibt es hier schließlich genug, und fertig ist die Bahnüberführung.


Die Anfahrt zum Tagesziel zeigt die einmalige Schönheit und Abwechslung der Region. Erdige Böden, feinster Sand, Schotter, Geröll und sogar fruchtbare Oasen machten die Tour zu einem absolut genialen Erlebnis.


Kurz nicht aufgepasst, zu wenig Schwung, zu wenig Gas, schon liegt man im Gras. Ja, reimt sich, aber das Gras ist ziemlich hart.


Oft findet man ausgediente Maschinen, die diese Felsenlandschaft in halbwegs befahrbare Trassen verwandeln. Immer wieder sieht man jedoch auch eindrucksvoll, wie sich die Natur im Laufe der Zeit seinen ursprünglichen Verlauf zurück holt. 


Oben zeigte Ivan seine Schönheit nur durch dichte Wolken. Dort schwitzte plötzlich keiner mehr!


Vom Wetter gezeichnet der Verlauf des Weges. Immer wieder tiefe Rinnen und Stufen in der Trasse machten die Tour für uns Anfänger oft recht anspruchsvoll.
Das es hier ziemlich steil bergauf geht, sieht man wohl nur aus dem Blickwinkel der Fahrer/innen.


Wenn die Konzentration nachlässt, die Energie längst verbraucht ist, dann kann auch mal eine kleine Rinne einen Zwangsstop verursachen. Tilly blieb von diesem Umfaller völlig unbeeindruckt.


Wenn die Batterie schlapp macht, dann müssen die Esel das Motorrad den Berg hochziehen, damit der Ludwig dann wieder nach unten anrollen lassen kann.
Solcherlei Aktionen waren nach jeder Rast nötig und strengen mehr an, als es hier den Anschein hat.

Gemütlicher Schlafplatz für die Mopeten direkt unter unserem Hotelzimmer.